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Osteuropa
Gazprom will nicht Buhmann sein
Sabine Berger
10 December 2008
WirtschaftsBlatt
Brüssel. Gazprom will die Rolle des Buhmanns im neuen Gasstreit mit der Ukraine vermeiden und geht in die Offensive: Sergej Kuprianow, Sprecher des Konzerns, und Ilia Kotschewrin, Kommunikationsdirektor von Gazprom Export, legten gestern in Brüssel ihre Sicht der Dinge dar.
Zahlungsverzug der Ukraine werde zu einer Art "schlechter Tradition", kritisiert Kuprianow. Er erwartet, dass sich die Außenstände bis Jahresende auf mehr als drei Milliarden US-Dollar summieren. "Wir verstehen, dass die Ukraine wirtschaftlich in einer schwierigen Lage ist. Aber das ist kein Grund, gar nichts für Gas zu zahlen." Kuprianow konstatiert vor Journalisten, dass der staatliche Konzern Naftogas zwar Probleme mit seinen Endkunden haben möge, aber deswegen nicht "null" einnehme. Ein unabhängiger Experte führt ins Treffen, dass Naftogas ob der niedrigen Preise, die Haushalte zahlen, mit Problemen konfrontiert sei.
Die große Frage ist, wie sich Gazprom und die Ukraine nun über die Lieferbedingungen für das kommende Jahr einigen sollen. In der EU werden Erinnerungen an den Jänner 2006 wach: Damals kürzte der Konzern die Lieferungen an die Ukraine, worauf das Land Transitleitungen mit Gas für die EU anzapfte. 80 Prozent des russischen Gases werden via die Ukraine exportiert. Die EU deckt ein Viertel ihres Gasbedarfs durch Lieferungen aus Russland. Energiekommissar Andris Piebalgs sei ob der prekären Lage beunruhigt, heißt es. Die Gazprom-Vertreter trafen sich gestern mit Energieexperten der Kommission.
Problembewusstsein
Vasily Astrov vom Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche meint, dass es sowohl auf ukrainischer als auch auf russischer Seite Verständnis dafür gebe, dass abermalige Lieferunterbrechungen vermieden werden sollten. Er erwartet, dass Russland aus politischer Räson auf einer Preissteigerung ab 2009 beharren wird. Die Ukraine zahlt derzeit 179 US-Dollar für 1000 Kubikmeter russisches Gas, also weit weniger als die EU-Staaten. 2009 könnten es laut Astrov zwischen 200 und 250 Dollar sein.